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Corona-Statement: Schwangeren- und Schwangerschaftskonflitkberatung

"April 2020, mitten im Lockdown sagte eine Frau in der Schwangerenberatung zu mir: „Ich habe solche Angst vor der Geburt. Es ist mein erstes Kind, und mein Mann darf wegen Corona nicht mit ins Krankenhaus. Ich weiß ja gar nicht, was da auf mich zukommt, und dann bin ich so ganz allein, habe keinen, der mir beisteht.“

Immer wieder äußern Frauen ihre Angst um die Gesundheit ihres Ungeborenen. Was, wenn sie sich in der Schwangerschaft mit dem Virus infizieren?

Manche schwangere Frauen erzählten von einem Gefühl der Überforderung und Erschöpfung, weil sie die beruflichen Anforderungen und die Betreuung  ihrer älteren Kinder in der Zeit der Schul- und Kita-Schließungen zu bewältigen hatten. Sie berichteten von Stress, Streit und Aggressionen in der Familie.

Davon erzählten auch Frauen aus sozial schwierigen Verhältnissen, oft in Verbindung mit beengtem Wohnraum.

Auch die finanziellen Sorgen sind seit Beginn der Pandemie verstärkt Thema. Beinah alle Frauen und Paare, deren Einkommen gering ist, oder die von Sozialleistungen leben sind davon besonders belastet. Jobverlust, Kurzarbeit, Schließung der Tafeln, Wegfall der Mahlzeiten für die Kinder in Kitas und Schulen und anderes verringern die zur Verfügung stehende Mittel der Familien. Wegen der schlechten Erreichbarkeit der Ämter kommt es teilweise zu gravierenden Versorgungsengpässen, oftmals mit Folgeproblemen. Eine Frau: „Wir warten immer noch auf das Geld vom Jobcenter. Ich kann dort niemanden erreichen. Unser Vermieter hat uns jetzt mit einer Kündigung der Wohnung gedroht, weil wir schon zweimal die Miete nicht bezahlt konnten.“

Auch die Frauen im Schwangerschaftskonflikt haben seit Beginn der Corona Pandemie mit zusätzlichen Belastungen zu kämpfen. Schwangerschafts-abbrüche werden nicht mehr in ausreichendem Maß durchgeführt. Manche Kliniken stellten die operativen Schwangerschaftsabbrüche vorübergehend ein, so dass es zu einer Unterversorgung gekommen ist. Für die betroffenen Frauen bedeutet dies wegen der meist deutlich längeren Wartezeiten eine enorme zusätzliche seelische Belastung. Hinzu kommen oftmals weite Fahrtwege, die sie ja nach einer Operation nicht allein bewältigen können."

Ortrud Kaluza