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Musikalisch durch die Herbstferien: Mädchen-Musik-Camp "Emma" lässt die Hütte beben

Syke. Musik machen, singen, lernen, gemeinsam mit anderen Musikbegeisterten, das macht einen großen Teil des Reizes von Musik generell aus. Doch auch das ist in diesem Jahr ein wenig anders. Normalerweise bietet die LAG Rock in Niedersachsen, der Landesverband zur Förderung der niedersächsischen Pop-Musik, in den Sommerferien ein Camp an: Emma, das Mädchen-Musik-Camp Niedersachsen. Coronabedingt fiel es aus, aber dafür haben die Organisatoren einen Ersatz geschaffen: Emma On Tour. An acht verschiedenen Standorten wurden in diesem Jahr Workshops in Kleingruppen angeboten. Einer davon fand in Syke statt.

"Singen wollen viele"

Drei Tage lang sangen und musizierten Anna Haase, Celine Fleitling, Jaqueline Schröder und Lucia Schmied gemeinsam mit Musikpädagogin Edda Litfin in der Mensa der Luise-Chevalier-Schule. „Der kleinere Rahmen war besser“, findet Anna Haase. Die Zwölfjährige hat bereits vier Mal an einem anderen Musik-Camp teilgenommen. Beim Projekt Emma war sie das erste Mal dabei. Sie spielt auch Klavier und Posaune, aber eigentlich singt sie am liebsten. Wie jetzt bei dem Workshop, gemeinsam mit Celine Fleitling. „Singen wollten viele, aber keine Instrumente spielen“, sagt Kathrin Stern und lacht. Gemeinsam mit dem Stadtjugendpfleger Abdelhafid Catruat und dem Diakonischen Werk hat Sykes Gleichstellungsbeauftragte den Workshop im Zuge der Herbstferienspiele angeboten und betreut. Doch das ist eines der Merkmale des Workshops, der sich speziell an Mädchen richtet: Sie sind eben nicht nur als Sängerinnen gefordert, sondern auch an den Instrumenten. So übernahm Jaqueline Schröder schließlich das Keyboard und Lucia Schmied setzte sich an ihr Instrument: das Schlagzeug. Damit hat im vergangenen Dezember angefangen.

„Wir haben uns erstmal zusammen eingespielt“, berichten die beiden von dem Workshop. Schließlich kannten sich die vier Mädchen vorher noch gar nicht. „Auch, um zu sehen, wie das Zusammenspiel ist“, schiebt Anna hinterher. Vor dem Workshop hatten alle nur allein musiziert. Anna ist in der Musical-AG ihrer Schule, aber in einer Band spielt sie nicht. Lucia würde gern, aber: „Wegen Corona findet derzeit nichts statt“, bedauert sie. Dafür habe das Zusammenspiel beim Workshop „schon ganz gut geklappt“, findet Lucia.

Eine Einschätzung, die auch Edda Litfin teilt. Die Musikerin und Musikpädagogin aus Hannover leitete den Workshop und hat auch noch einen anderen Blick auf das Projekt. „Es geht nicht um das Ergebnis, sondern immer um den Prozess“, macht die Pädagogin deutlich. Die Teilnehmerinnen sollen selbst merken, ob sie „drin“ sind, also tatsächlich gemeinsam musizieren oder nur zufällig nebeneinander stehen, während sie die gleichen Noten singen und spielen. Ganz wichtig sei zudem, dass die Mädchen Spaß daran haben, sich zu entdecken, auszuprobieren, weiterzuentwickeln und gemeinsam etwas zu erarbeiten. Das stärke das Selbstbewusstsein.

Gemeinsam probierte das Quartett verschiedene Sachen aus. An den Instrumenten, im Zusammenspiel, aber auch an Songs. Edda Litfin hatte eine Auswahl mitgebracht – zum Beispiel „Vincent“ von Sarah Connor oder der Klassiker „Knockin' On Heavens Door“. „Aber die kamen nicht so an“, lacht sie. „Die Auswahl ist immer wieder interessant“, findet die Musikpädagogin. Schließlich ist Musik nicht nur individuell, sondern werde auch so aufgenommen. Also machten stattdessen die Mädchen Vorschläge und einigten sich schließlich auf „Ocean Eyes“ von Billie Eilish und „Lost Boy“ von Ruth B.. „Die Auswahl hat etwas gedauert“, bekennt Lucia mit einem Lachen. Schließlich mag sie Alternative-Musik von Twin Cabins, während Anna eher Adele und Bruno Mars bevorzugt. 

Diese beiden Songs wurden geübt, geübt und wieder geübt. Um fit zu sein, für das „Konzert“ am Abschlusstag. „Ein Vorspielen für die Eltern“, stellt Kathrin Stern klar. Ein größerer Rahmen sei zurzeit einfach nicht möglich. Während des Erarbeitens der Songs gab es immer wieder Tipps und Anregungen von Edda Litfin. „Sie hat sich das angehört und Sachen vorgeschlagen“, berichtet Anna. Diese Eins-zu-Eins-Betreuung habe ihr besonders gut gefallen. „Das war sehr bereichernd“, findet sie. Letztlich zählte jedoch, was die Mädchen machen wollten. „Wenn man etwas nicht wollte, musste man auch nicht“, sagt Lucia.

„Ich begleite nur“, erläutert die Musikpädagogin diese Herangehensweise. Viel wichtiger bei diesem Projekt sei, betont sie, dass sich die Mädchen in dem wiederfinden, was sie machen. Es sei wichtig, dass nicht sie als Dozentin im Vordergrund steht, sondern dass die Gruppe sich stark fühle. Und da haben die Syker Mädchen sie beeindruckt. Sie seien respektvoll miteinander umgegangen, waren fleißig, professionell und motiviert. Das Quartett habe  drei Tage voll mitgezogen – und das alles unter disziplinierter Einhaltung der Corona-Regeln. „Das haben sie super gemacht“, lobt sie.

Das Resultat kann sich nun sehen lassen. Auf der Internetplattform You Tube unter www.youtube.com/watch?v=Rgm7oZlQbQs ist ein Video aller Workshops zu sehen. Ab Minute 8:49 präsentiert das Syker Quartett Billie Eilishs „Ocean Eyes“. „Sehr beeindruckend“, lautet Kathrin Sterns Urteil über diesen Auftritt. Dass die Mädchen nervös waren, sei ja normal. Doch für nur drei Tage Übung könne sich das Ergebnis gut hören lassen. Und wie geht es weiter mit dem Quartett? Gründen sie nun Sykes erste Mädchenband? Anna und Lucia zucken mit den Schultern. Soweit wollen die beiden Zwölfjährigen (noch) nicht denken. Aber noch mal einen Workshop? Da nicken beide energisch mit dem Kopf. Gerne noch mal!

 

Quelle: Sarah Essig, Syker Kurier